Ich habe Shari 1996
durch Kontakte eines Bekannten von einem etwas dubiosen Züchter
geschenkt bekommen. Leider hatte ich damals noch nicht das Wissen,
welches ich heute habe.
Als ich beim "Züchter" war, gab es dort 12 Welpen, Shari saß in der
hintersten Ecke und war die schüchternste und ängstlichste von
allen.
Außerdem wollte ich keine Hündin sondern einen Rüden, aber die
Kleine schaute mich so an.... An dem Tag bin ich wieder beim
"Züchter" weg gefahren, da kein Rüde mehr zur Vermittlung stand. Die
ganze Nacht habe ich überlegt, gegrübelt - und am nächsten Tag dort
angerufen und gefragt, ob sie noch da ist - war sie!
Am gleichen Tag noch habe ich sie geholt. Mir war klar, das diese
Hündin Probleme machen würde, welches Ausmaß das annimmt, damit
hatte ich nicht gerechnet.
Shari war zu mir und meinem Mann der beste Hund der Welt. Ich habe
sie für ihre liebe, verschmuste Art geliebt. In der Wohnung total
vorsichtig, Shari hat nie etwas umgeschmissen, nichts vom Tisch
geklaut, nichts zerstört.
Sie konnte problemlos alleine bleiben, hat in Ruhe auf ihrem Platz
gewartet bis wir nach Hause kamen. Ein Traumhund - aber....
Draußen, zu anderen Hunden oder Menschen wurde sie zur Furie.
Sie ging alles und jeden an, aus Angst und Unsicherheit. Wir waren
in der Hundeschule, auf dem Platz hat alles wunderbar geklappt,
draußen - vorbei.
Wir haben mit ihr eine Hundeschule für verhaltensgestörte Hunde
besucht, leider hat alles nichts gebracht. Neue Menschen, neue
Umgebung, neue Hunde - alles war für Shari gefährlich und
beängstigend. Aber statt sich zurück zu ziehen startete sie immer
einen Angriff.
Im Haus ein Traumhund, draußen die Katastrophe. Wir hatten schon im
ersten Jahr bemerkt, das Shari irgendwie anders ist als andere
Hunde, Nachforschungen im zweiten Jahr haben dann ergeben, das die
meisten Welpen aus ihrem Wurf schon wegen Beißunfällen
eingeschläfert worden waren und dem "Züchter" die Hündin weg
genommen worden ist. Gut, das half ein wenig zu verstehen, warum
Shari so war, änderte aber nichts an unseren Problemen mit ihr.
Ich weiß nicht, ob jemand nachvollziehen kann wie das ist, ca. 40kg
ausrastenden Hund an der Leine zu haben. Sie war in solchen Situationen
nicht ansprechbar, nicht zu beruhigen, manchmal half mir nur eine
Laterne oder ein Baum zum festhalten... Die damals gültige
Hundeverordnung schrieb für Briards einen Maulkorb vor - bei dieser
Rasse eigentlich unverständlich, für Shari aber sicherlich richtig.
Um es kurz zu machen - Shari ist bei uns 8 Jahre alt geworden.
In der Zeit mit ihr haben wir uns massiv eingeschränkt, kaum Besuch
bekommen und sind mit Shari aufs Feld gefahren zum Spaziergang, Orte
eben, wo wir kaum jemanden trafen und wir entspannt mit ihr toben
und spielen konnten.
Wie sehr wir uns eingeschränkt haben, wurde uns allerdings erst nach
ihrem Gang zur Regenbogenbrücke bewusst.
2003 sind wir dann in unser neues Haus gezogen, extra gut eingezäunt
damit Shari den Garten frei nutzen konnte. Leider war das für Shari
eine Katastrophe - das große Haus, neue Umgebung, einfach alles. Sie
gab sich auf, machte in die Wohnung, veränderte sich total. Wir
gingen so umsichtig wie möglich mit ihr spazieren, um ihr so wenig
Stress wie möglich zu machen
(meine Freundin Heike z.B. kennt Shari nur durch Erzählungen und von
Bildern), aber es
half alles nichts.
Nachdem sie mich dann 2x bei einem Spaziergang von den Füßen geholt
hatte weil in einiger Entfernung ein Jogger lief, trafen wir für uns
die schwerste Entscheidung des Lebens.
Shari war mittlerweile eine Gefahr für alle, wir hatten versucht
Hilfe von verschiedenen Organisationen zu bekommen, aber leider
haben alle nur abgewunken...
Im Januar 2004 haben wir Shari erlöst. Wir haben mit uns gekämpft,
aber wussten nicht mehr weiter mit ihr, versucht hatten wir alles. Sogar
sie zu vermitteln, an einen erfahrenen Briardhalter, der einen
mächtigen, gestandenen älteren Rüden hatte. Shari war nach 3 Tagen
wieder bei uns, da sie dem Rüden in die Nase und ans Auge gebissen
hatte.
Als wir mit ihr beim Tierarzt
waren und sie die erste Spritze bekommen hatte, hat sie mich noch
ganz lieb angeschaut - als wolle sie mir sagen - Danke. Sie hat
sofort losgelassen, die zweite Spritze hätte gar nicht mehr sein
müssen. Ich habe geheult wie ein Schloßhund und wir haben unser
Mädchen mit nach Hause genommen, aber ich denke, das wir die
richtige Entscheidung getroffen haben.
Manchmal denke ich, ob wir noch etwas hätten tun können, etwas
unversucht gelassen haben, oder, oder, oder. Aber eigentlich weiß ich,
das wir damals die richtige Entscheidung für Shari, uns und alle
anderen getroffen haben.
Shari wird immer unser Mädchen bleiben, unser Traumhund der uns in
unseren 4 Wänden blind vertraut hat und der beste Hund der Welt war.
Für ihre Herkunft konnte sie nichts und wir trösten uns mit dem
Gedanken, das sie 8 wundervolle Jahre mit uns hatte. Wir haben durch
Shari viel gelernt und erlebt, das und die Erinnerung an sie kann
uns keiner mehr nehmen!
Wir werden dich nie
vergessen mein Mädchen!
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